Howling Night // The new story about love and destiny
Story
  Kapitel 1
 
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Kapitel 1


Ein Mantel des Schweigens legte sich über die Zusammenkunft. Jeder schickte im Stillen seine Hoffnungen zu Gott.

Fast jeder.

Ich saß auf einer Holzbank ganz hinten in der Kirche. Mein Inneres trug keine Hoffnungen in sich – schon lange nicht mehr. Dennoch kam ich gerne hierher. Die Kirche erfüllte mich immer mit einem vertrauten Gefühl. Hier fand ich meist meinen Frieden oder zumindest etwas Ruhe.

Es war nicht einfach, als Außenseiter in einem kleinen Dorf zu leben, in dem jeder die Lebensgeschichte des anderen kannte. Oft wurde ich schief angesehen, als würde ich einen Terrorangriff planen. Die meisten Leute jedoch vermieden es, mich anzusehen und machten einen großen Bogen um mich.

Dieses Verhalten verletzte mich, doch ich war froh, dass mich niemand ansprach.

Seit dem Unfall waren nun schon vierzehn Jahre vergangen. Ja, es war ein Unfall gewesen und ich hatte nichts damit zutun. Doch das glaubte mir niemand.

Als ich drei Jahre alt war, kam das Gerücht auf, ich wäre ein Kind des Teufels. Ich war nie verhaltensauffällig, sondern eher von stiller Natur. Die anderen Kinder hatten sich von mir ferngehalten, was mir nur recht gewesen war.

Doch als dieses Gerücht seinen Rundgang tat, versuchten meine Eltern alles, um es zu zerstreuen. Somit geschah es, dass an mir Teufelsaustreibungen vorgenommen wurden und schließlich sahen sie keinen Ausweg mehr und versuchten, mich in einem Brunnen zu ertränken. Keiner konnte es erklären, doch ich überlebte.

Genau zwei Tage danach brannte mein Elternhaus nieder und meine Eltern starben dabei. Das gesamte Dorf glaubte, ich hätte Rache geübt – außer einer netten, älteren Dame, Mrs. Jones. Sie glaubte nicht, dass ein kleines Kind so etwas tun konnte, also zog sie mich auf wie eine Mutter.

Doch sie starb vor einigen Wochen –immerhin war sie recht alt gewesen und hier auf dem Land gab es nicht die nötigen Medikamente. Ich dachte noch oft an sie. Nie hatte sie ein schlechtes Wort verloren oder den Brand erwähnt. Nur, wenn ich ab und zu traurig deswegen gewesen war und geweint hatte, tröstete sie mich mit den Worten: „Du hast keine Schuld und die anderen Kinder haben keine Ahnung, wovon sie da sprechen.“
Es waren keine besonders überzeugenden Worte, aber sie trösteten mich. Mrs. Jones war eine durch und durch herzliche und gütige Frau gewesen und sie hatte es nicht verdient, zu sterben. Manchmal wünschte ich mir, ich wäre bei ihr.

Denn nun war ich allein.

Auch, wenn der Brand vierzehn Jahre zurücklag, keiner schien ihn vergessen zu haben. Es war wie eine wahrgewordene Gruselgeschichte, die sie ihren Kindern erzählten, damit sie sich von mir fernhielten.

Als ich aus meinen Gedanken in die wirkliche Welt zurückkehrte, bemerkte ich, dass die Kirche leer war.

Einzig Pater Robins stand noch da, die Hände  verschränkt um eine Bibel geklammert.

Er sah mich erwartungsvoll an. Ich wusste nicht, ob er wollte, dass ich blieb oder sofort verschwand. Er war immer nett und freundlich, wenn er mit mir sprach, doch was er wirklich dachte, wusste ich nicht.

Rasch stand ich auf und zupfte mein hellblaues T-Shirt zurecht. Ich war schon fast an der Tür angelangt, als Pater Robins mich zurückrief.

„Amanda, bitte warten Sie noch einen Moment.“ Ich drehte mich um und ging auf ihn zu. Er stand noch immer genauso da, wie zuvor.

„Ja?“

Er schob sich das kurz blonde Haar aus dem Gesicht und ich bemerkte, dass sich sein Gesichtsausdruck verändert hatte. Seine mitfühlenden grünen Augen betrachteten mich.

„Geht es Ihnen gut, Amanda?“

Ich war überrascht. Wenn Pater Robins mit mir sprach, ging es nur um Gott. Er bemerkte meinen überraschten Ausdruck.

„Was haben Sie?“

Ich schüttelte kaum merklich den Kopf. „Es ist alles in Ordnung, Pater. Nach dem Gottesdient fühle ich mich immer freier.“

Er nickte mir zu, war aber offensichtlich nicht überzeugt.

Bevor ich die Kirchentür hinter mir schloss, sah ich noch einmal zurück. Pater Robins war verschwunden.

Seufzend ließ ich die Tür ins Schloss fallen.








Kommentare zu dieser Seite:
Kommentar von:24.03.2010 um 17:46 (UTC)
bissworld
bissworld
Offline

Wirklich schön geschrieben! (:

Kommentar von Mona( ), 06.02.2010 um 22:53 (UTC):
Unbeschreiblich toll geschrieben.. Wie immer, von dir zu erwarten..
Super Geschichte, tragisch aber mitreißend.
Ich freu mich schon auf weitere Kapitel =)
xoxo
Mona



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