Howling Night // The new story about love and destiny
Story
  Kapitel 3
 
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Dinner for two
 

Als ich die Haustür schloss, fühlte ich mich leider keineswegs wohler. Es war genauso kalt wie draußen. Zuerst warf ich mir einen blauen Kapuzenpullover über.

Mit der Kapuze auf dem Kopf verließ ich abermals das Haus, um Feuerholz zu suchen.

Es war schon schwierig im Leben, wenn man kaum Geld besaß. Und die Menschen waren egoistisch. Keiner würde mir etwas abgeben.

Leider fand ich kein Feuerholz. Schließlich beschloss ich, in die Kirche zu gehen. Sie war immer offen – sogar für mich.

Es tat wirklich gut, in das warme Gebäude einzutreten. Neben dem Altar stand Pater Robins und unterhielt sich mit einem Mann im roten Sweatpullover.

Oh nein, dachte ich. In mir machte sich der Gedanke breit, die Kirche fluchtartig zu verlassen, doch ich würde mich nicht davonjagen lassen. Besonders nicht von Sam.

Ich mochte unerwünscht sein, dennoch war ich zuerst hier gewesen.

Pater Robins erblickte mich und lächelte.

„Hallo, Amanda. Sind Sie hier, um Gott anzurufen?“ Ich kam auf ihn zu.

„Ich bezweifle, dass Gott ein Telefon hat. Sind Handys in der Kirche nicht verboten?“

Sam drehte sich zu mir um und lachte.

Doch Pater Robins schien das gar nicht lustig zu finden.

„Sehr amüsant, Amanda. Warum sind Sie dann hier?“

Ich zuckte mit den Schultern. „Wissen Sie, mir ist das Feuerholz ausgegangen und da ich sonst nirgends hinkann …“ Er nickte.

„Das ist kein Problem. Gottes Haus ist für jeden da. Ich wollte unseren Gast zum Abendessen einladen. Wenn Sie möchten, dann koche ich für drei.“

Ich nickte, obwohl mir die Vorstellung nicht gefiel, mit Sam an einem Tisch zu sitzen.

Pater Robins führte uns nach oben.

Er bewohnte zwei Zimmer im Kirchenturm. Eines war sein Schlaf- und Arbeitszimmer, das andere die Küche.

Er kochte eine Suppe und Sam und ich setzten uns an den kleinen Tisch. Ich schob mir die Kapuze vom Kopf und fuhr mit der Hand durch mein immer noch nasses Haar. Aus dem Augenwinkel sah ich, dass Sam mich beobachtete. Dieser Kerl hatte echt Nerven.

Was machte er überhaupt hier in der Kirche?

Pater Robins verschwand, um noch einige Bücher einzusammeln.

„Ich helfe Ihnen“, sagte ich. Zu meinem Verdruss meinte er, dass er es alleine schaffe.

„Also, was tun Sie hier?“, fragte ich Sam. „Wollten Sie nicht zum Bürgermeister?“

„Das ist richtig. Allerdings traf ich ihn nicht an und so ging ich in die Kirche.“

„Warum ausgerechnet in die Kirche?“

Er überlegte einen Moment lang. „Gottes Haus ist für jeden da.“ Ich verdrehte die Augen.

„Dann erzählte mir Pater Robins ein wenig über das Dorf. Und über den heutigen Tag.“ Sein Blick wurde grimmig. „Unglaublich, was sich die Menschen auf dem Land so alles für einen Quatsch ausdenken.“

Ich nickte ihm zu. „Jop, das sehe ich genauso.“

Dann schwiegen wir beide.

Obwohl er mich immer noch etwas nervte, kam ich nicht umhin, ihn anzusehen. Er sah noch genauso verboten gut aus, wie vorhin am Fluss. Ich hatte viele Fragen, die ich nicht zu stellen wagte.

Wo kam er her?

Was machte er hier?

Und woher hatte er dieses Aussehen, das andere aus der Fassung brachte?

Naja, außer Pater Robins. Ich grinste innerlich.

Plötzlich drängte sich ein Gedanke in meinen Kopf. Was hatte Sam gesagt?

Er habe den Bürgermeister nicht angetroffen. Aber heute verließ absolut niemand sein Haus – schon gar nicht er.

Ein ungutes Gefühl stieg in mir auf.

„Entschuldigen Sie mich bitte einen Moment“, sagte ich und Sam blickte mich überrascht an. Ich begab mich auf die Suche nach Pater Robins.

Er stand an einem Fenster und sah in den Regen hinaus.

„Pater?“ Ich trat neben ihn. Er sah mich an.

„Sam erzählte mir, dass er Bürgermeister Mayers nicht angetroffen habe. Wissen Sie, das macht mir etwas Sorgen. Immerhin verlässt heute keiner das Haus.“

Ich sagte bewusst ‚keiner‘. Immer wenn ich von der Mehrheit des Dorfes sprach, schloss ich mich aus. Eine alte Angewohnheit.

„Das ist in der Tat merkwürdig“, pflichtete Pater Robins mir bei.

„Glauben Sie, dass an dieser Legende irgendetwas dran ist?“ Sein Blick wurde nachdenklich.

„Ich weiß nicht. Aber eines ist gewiss. Wenn Sie nicht Ihre Suppe essen, dann wird sie kalt.“ Er schmunzelte kaum merklich. Offenbar wollte er alleine sein, deshalb ging ich zurück in die Küche und setzte mich. Ich hatte keinen Hunger mehr.

Obwohl mich das ignorante Verhalten der anderen Dorfbewohner verletzte, wünschte ich keinem von ihnen Unheil.
Sam, der ganz still dagesessen hatte, erhob das Wort. „Was haben Sie?“

Ich seufzte.

„Ich weiß nicht. Irgendetwas stimmt nicht.“

Er stützte sich mit den Armen auf dem Tisch ab und sah mich eindringlich an.

„Was? Pater Robins hat mir von diesem ‚Teufelstag‘ erzählt, aber Sie glauben doch nicht, dass das mit dem Bürgermeister zusammenhängt? Vielleicht macht er nur einen Spaziergang."

Ich sah ihn verständnislos an. „Das glauben Sie doch selber nicht.“

Plötzlich wurden wir unterbrochen.

Die Türen wurden geräuschvoll geöffnet und jemand lief hastig durch die Kirche.

„Pater Robins? Pater Robins!“

Mir kam die Stimme bekannt vor. Ich durchsuchte mein Gedächtnis.

Aber natürlich!

Es war die Frau des Bürgermeisters. Ich sprang auf und der Stuhl fiel klappernd zu Boden. Sam stand ebenfalls auf. Er schien meinen Stimmungswechsel wahrzunehmen.

Ich lief so schnell es ging nach unten. Pater Robins war bereits bei ihr und versuchte, sie zu beruhigen. Sie schien völlig aufgelöst zu sein.

„Mrs. Mayers, was ist passiert?“ Pater Robins sprach mit ruhiger Stimme.

„Mein Mann ist verschwunden. Er wollte nur kurz nach draußen, um etwas zu holen. Sie kennen ihn doch. Er wäre niemals länger als nötig draußen geblieben – zumindest heute.“

Sie erblickte mich und starrte mich an. „Aber natürlich“, murmelte sie. Dann deutete sie mit dem Finger auf mich.

„Sie war es!“, schrie sie auf einmal und packte mich am Arm. Ein irrer Ausdruck trat in ihre Augen. „Wo ist er? Was hast du mit ihm gemacht?“

Ich sah sie erschrocken an. Die Leute glaubten zwar, ich wäre vom Teufel besessen, aber jemanden töten oder es auch nur versuchen?

Niemals!

Doch das sprach ich nicht laut aus. Mrs. Mayers war nun nicht in der Verfassung dafür.

„Beruhigen Sie sich doch“, sagte Pater Robins. „Wir werden ihn schon finden.“

„Nein! Nein!“, schrie sie. „Sie hat ihn umgebracht! Ich weiß es!“

Mit diesen Worten legte sie eine Hand um meinen Hals und drückte zu. Ich schnappte nach Luft. Doch sie erreichte meine Lunge nicht. Ich stolperte rückwärts und versuchte, ihre Hand wegzudrücken, doch Mrs. Mayers ließ nicht von mir ab.

Langsam entwand meine Kraft und mein Blick wurde trüb.

„Mrs. Mayers! Hören Sie sofort auf! Dies ist ein Gotteshaus!“

Das war ja klar: Pater Robins hatte nur Angst davor, dass jemand in seiner Kirche eine Sünde begehen würde.

Doch jemand anderes kam mir zu Hilfe.

Sam packte die völlig übergeschnappt Frau am Arm. Ihre Hand verkrampfte sich um meinen Hals und ich keuchte auf.

„Lassen Sie sie los“, knurrte er. Und tatsächlich: Sie ließ mich los.

Ich schnappte erneut nach Luft und ließ mich von ihr durchströmen.

Doch meine Beine konnten mich nicht mehr halten. Ich würde hart auf dem Boden aufschlagen, aber das tat ich nicht.

Sam hielt mich fest und sah mich an.

„Alles in Ordnung?“ Seine Stimme war voller Sorge.

Ich konnte nicht antworten. Mein Hals war trocken und meine Lider flatterten.

„Amanda?“

Langsam wurde alles dunkel. Oh nein, ich würde nicht ohnmächtig werden. Nicht hier und jetzt.

Ich atmete ein paar Mal tief ein und aus. Es half. Der Raum wurde wieder heller und die Konturen schärfer. Vorsichtig setzte ich mich auf den Boden und alles drehte sich. Ich kniff die Augen zusammen und hielt mir eine Hand an den Kopf.

„Amanda?“

Es war Sam. Er war immer noch da. Das beruhigte mich.

Er strich mir mit einer Hand über die Wange. „Reden Sie mit mir.“

Er sprach leise und sanft. Ich wollte ihm antworten, fühlte mich aber zu schwach.

„Pater?“, sagte er. „Es ist wohl das Beste, wenn ich sie nach Hause bringe.“

„Hören Sie. Amanda lebt alleine und außerdem hat sie kein Feuerholz. Die Kälte wäre gerade sehr unpassend.“

„Lassen Sie das mal meine Sorge sein.“ Sam klang entschlossen.

Er hob mich hoch und lief los. „Ich danke Ihnen für das Abendessen“, sagte er noch. Dann hörte ich, wie die Tür ins Schloss fiel und Regen prasselte auf mich herab.

„Sie müssen das nicht tun“, murmelte ich. „Ich komme sehr gut alleine zurecht.“

Langsam öffnete ich die Augen.

Er lächelte. „Das sehe ich. Sie können ja nicht einmal gerade gehen.“

Ich schloss wieder die Augen und tat so, als sei ich zu schwach, um zu antworten.

Dachte er etwa, er könne mich mit dieser Aktion um den Finger wickeln?

Plötzlich durchzuckte mich ein Gedanke.

Wo war der Bürgermeister und was war ihm zugestoßen?

Gab es wirklich böse Mächte? Und wenn es sie gab, warum kamen sie nur an einem Tag?

Ich öffnete meine Augen, als ich das Geräusch einer Tür hörte.

Wir waren in meinem Haus. Ich zog eine Grimasse.

„Verfolgen Sie mich oder woher wissen Sie, dass ich hier wohne?“

Sam grinste. „Ehrlich gesagt, habe ich Ihnen vorhin hinterher gesehen und sie sind in dieses Haus gegangen.“

Er sah sich kurz um und legte mich auf mein Bett. Dann verschwand er nach draußen. Ich dachte schon, er ließe mich hier einfach in der Kälte liegen. Doch Sam kam zurück – mit Feuerholz.

Ich staunte nicht schlecht.

„Woher haben Sie das?“

„Von den Nachbarn.“

Ich fragte nicht weiter nach, war aber erstaunt. Es sollte doch Menschen geben, die nett zu Fremden waren, aber in diesem Dorf?

Ich beobachtete Sam, während er im Ofen ein Feuer entzündete. Vorsichtig richtete ich mich auf und lehnte mich an die Wand. Ich fühlte mich schon viel besser und fragte mich, warum er immer noch hier war.

Schließlich setzte er sich neben mich.






Kommentare zu dieser Seite:
Kommentar von:12.04.2010 um 19:18 (UTC)
magical-fantasy
magical-fantasy
Offline

hamma story ich bin buff

Kommentar von:23.02.2010 um 12:18 (UTC)
agent-chuchu
agent-chuchu
Offline

Mamma mia, du schreibst teuflisch gut Mach weiter so!!!



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