Howling Night // The new story about love and destiny
Story
  Kapitel 4
 
"
Howling Night

Eine Weile saßen wir schweigend nebeneinander. Sam war derjenige, der die Stille brach.

„Wie fühlen Sie sich?“

Das, was ich als nächstes sagte, war ihm gegenüber gemein, doch ich sprach, ohne nachzudenken.

„Warum tun Sie das? Ich meine, fast mein ganzes Leben lang war ich alleine und auf einmal tauchen Sie auf. Ich war immer der Außenseiter und sie verfolgen mich buchstäblich.“

Er schien überrascht, aber nicht beleidigt zu sein.

„Nun ich denke, dass Sie jemanden brauchen, der auf Sie aufpasst.“

„Und Sie denken, dass Sie dieser Jemand wären? Ich komme sehr gut alleine zurecht.“

Er grinste. „Das sehe ich.“

Angesichts dieses Déjá Vus musste auch ich grinsen. Allerdings nur einen Moment lang.
„Wo kommen Sie eigentlich her?“
Sam blickte mich überrascht an.

„Naja ich meine, irgendwo müssen Sie doch hergekommen sein. Oder nicht?“

Sams Grinsen verschwand. „Nennen wir es mal einen unglücklichen Umstand, der mich hierher kommen ließ.“

Wie mysteriös. Oder eher unheimlich?

„Sie sollten sich ausruhen“, sagte er auf einmal.

„Es geht mir gut“, beteuerte ich. Er sah mich an.

Oooh, dieser charmante und zugleich warnende Ausdruck in seinen Augen ließ mich schwach werden.

„Wie Sie wollen“, seufzte ich.

Sam stand auf, sodass ich mich hinlegen konnte. Er legte eine Decke über mich, die ich mir bis zum Kinn zog. „Wo werden Sie eigentlich schlafen? So wie es sich angehört hat, wollen Sie doch eine Weile bleiben.“

Er sah mich an und ich konnte schwören, einen kurzen Moment Traurigkeit in seinen Augen aufblitzen gesehen zu haben. Ich blinzelte und sie war verschwunden.

„Machen Sie sich darüber mal keine Gedanken. Ich werde schon etwas finden. Doch heute Nacht werde ich auf Sie aufpassen.“

Das war beruhigend und ich schloss lächelnd die Augen.

 

Ich wusste nicht, wo ich war, aber es war eine beängstigende Szene. Ich stand in einem Zimmer. Es war dunkel, nur der Mond schien durch das Fenster.

Auf dem Bett unter dem Fenster lag ein kleines Kind. Es musste etwa drei Jahre alt sein. Es zitterte. Ein Mann im braunen Umhang beugte sich über das Kind. An der gegenüberliegenden Wand standen eine Frau und ein Mann.

Der Mann hielt die Frau fest im Arm. Sie weinte.

Ich war verwirrt. Was war hier bloß los? Wer waren diese Leute?

Vorsichtig ging ich näher an das Bett heran.

Der Mann, der sich über das Kind beugte, murmelte etwas vor sich hin. Ich konnte die Worte nicht verstehen, war mir aber ziemlich sicher, dass es Latein war. Er hielt eine Kette in der Hand und daran hing ein Kreuz.

Der Mann musste ein Priester sein. Ich betrachtete das Kind. Es war zu dunkel, um sein Gesicht zu sehen, doch es wimmerte vor sich hin.

Plötzlich durchzuckte es mich wie ein Blitz. Das, was hier stattfand, war eine Teufelsaustreibung.

Es war einfach furchtbar!

Wie konnte man einem kleinen Kind so etwas antun?

Der Priester drehte sich um.

„Es tut mir Leid“, sagte er und seine Stimme klang müde. „Ich kann nichts tun. Der Dämon scheint zu stark zu sein.“

Die Frau schluchzte laut. Der Priester verschwand.

„Liebling“, sagte der Mann. „Du weißt, was wir besprochen haben. Es gibt keinen Ausweg mehr.“

„Ich weiß“, schluchzte sie.

Die beiden warteten, bis das Kind eingeschlafen war. Dann trugen sie es nach draußen. Ich folgte ihnen.

Die Häuser kamen mir bekannt vor, doch ich konnte sie nicht einordnen.

Der Mann und seine Frau gingen zu einem Brunnen. Ein ungutes Gefühl machte sich in meinem Magen breit.

Beide küssten das Kind und die Frau strich ihm über den Kopf. Schließlich hielt es der Mann über den Brunnen und zog die Arme unter ihm weg.

Ich schrie auf.

Ich wollte ihm helfen, doch das Bild verschwand. An seine Stelle trat ein Raum. Ich schoss nach oben und schrie immer noch.

Jemand packte mich an den Schultern und schüttelte mich.

„Amanda!“ Es war Sam.

Ich war nicht länger in der schrecklichen Szene, in der ein Kind von seinen Eltern ertränkt wurde. Doch es war alles so real gewesen.

Ich schrie nicht mehr. Nun weinte ich. Denn ich hatte die Szene erkannt. Ich hielt mein Gesicht in den Händen verborgen. Mein Körper bebte.

Sam drückte mich an sich und strich sanft über meinen Kopf.

„Alles ist in Ordnung“, flüsterte er. „Es war nur ein Albtraum.“

Ich schüttelte den Kopf. „Nein, nein.“ Dann ließ ich meine Hände sinken.

Sam nahm mein Gesicht in seine Hände und sah mich eindringlich an. „Was meinen Sie damit Amanda?“ Ich schluckte.

Nein, ich konnte es ihm nicht sagen. Das würde alles zerstören.

Ich atmete ein paar Mal tief durch. Langsam beruhigte ich mich und wischte zitternd die Tränen weg.

„Was ist los, Amanda?“, fragte Sam und fühlte meine Stirn. „Sie sind ganz warm.“

„Alles bestens.“

Auf seiner Stirn bildeten sich Sorgenfalten. „Das glaube ich Ihnen nicht.“

Ich lehnte mich an die Wand und schloss die Augen.

Schließlich entschied ich mich dazu, ihm die Wahrheit zu sagen.

„Eine Erinnerung“, murmelte ich. Langsam öffnete ich die Augen. Sam saß neben mir.

„War sie so schrecklich?“ Ich nickte.

„Ich habe sie noch nie so gesehen. Es war … beängstigend.“ Eine Träne rollte mir über die Wange. Sam wischte sie sanft weg.

„Erzählen Sie mir davon.“

Ich zögerte. „Es ist wirklich … Ich möchte Sie damit nicht belasten.“

„Nein, das tun Sie nicht. Und ich möchte Ihnen helfen.“

Wahrscheinlich hätte ich nun eine blöde Bemerkung gemacht,  doch in mir herrschte gerade das totale Chaos und ich war einfach nur froh, nicht alleine zu sein. Ich versuchte, so ruhig wie möglich zu sprechen.

„Es gibt da etwas, dass Sie vielleicht doch wissen sollten.“

Sams Blick war erwartungsvoll. Also erzählte ich ihm meine Geschichte. Er hörte zu, ohne etwas zu sagen, doch sein Blick sprach mehr als tausend Worte.

„Und dann dieser Traum“, flüsterte ich. „Ich habe als außenstehende Person dabei zugesehen, wie meine Eltern versucht haben, mich umzubringen.“

Es tat gut, all das auszusprechen, doch erneut liefen mir die Tränen über das Gesicht. Der Schmerz saß tiefer, als ich dachte. Sam drückte mich an sich. Seine Nähe tat gut – sehr gut.

„Das ist schrecklich.“ Seine Stimme war erfüllt von Schmerz. „So etwas sollte  niemand erleiden müssen. Und schon gar kein Kind.“

„Ich bin kein Kind“, protestierte ich.

Er lachte leise. „Da haben Sie Recht.“ Er löste sich sanft von mir, um meine Tränen wegzuwischen. „Hatten Sie schon öfters solche Träume?“

Ich schüttelte den Kopf. „Das war der erste.“

Einige Momente herrschte Stille. Dann klopfte es leise an der Tür. Sam stand auf und öffnete sie.

Pater Robins trat ein. Er war entsetzt, als er mich sah.

„Amanda! Was, um Himmels Willen, ist denn passiert? Geht es Ihnen gut?“

Ich nickte. Ihm konnte ich noch nichts über den Traum erzählen.

Sam erklärte ihm, was passiert war. Flüsternd standen die beiden in einer Ecke.

Ich mochte es nicht, wenn man etwas vor mir geheim hielt, deshalb unterbrach ich das Gespräch.

„Haben Sie den Bürgermeister gefunden?“

„Ja. Er war beim Doktor. Er ist auf den nassen Stufen seines Hauses ausgerutscht und glaubte, er habe sich den Fuß gebrochen.“

Ich konnte es nicht glauben. Wegen so etwas wollte mich seine Frau umbringen.

„Mrs. Mayers allerdings weigert sich, sich bei Ihnen zu entschuldigen.“

Ich zuckte mit den Schultern. „Etwas anderes hätte ich auch nicht erwartet.“

Der Gesichtsausdruck von Pater Robins veränderte sich plötzlich, aber ich konnte ihn nicht deuten. Er setzte sich neben mich.

„Was ist mit dem Albtraum?“

Ich sah ihn verwirrt an. „Nun ja, es war der erste dieser Art, aber … Ich denke nicht, dass er eine Bedeutung hat. Vielleicht lag es an … den Umständen.“

„Das ist wahrscheinlich sogar der Grund.“ Er stand mit nachdenklichem Blick auf und verschwand, ohne ein weiteres Wort zu sagen.

Seufzend schloss ich die Augen. Der Albtraum war schon schlimm genug gewesen, ebenso wie Mrs. Mayers Angriff, doch die Tatsache, dass dieser Angriff völlig unbegründet war, machte es noch schlimmer.

Die anderen Dorfbewohner mussten mich wirklich hassen. Ich wusste natürlich, dass sie mich nicht leiden konnten. Aber wie sehr, das wusste ich nicht.

„Amanda?“ Ich zuckte zusammen, als ich Sams Stimme so nah an meinem Ohr hörte. Ich öffnete die Augen.

Sie brannten von den vielen Tränen.

„Geht es Ihnen gut?“

„Ja. Das vorhin … Das war nur der Schock. Alles ist gut.“ Und wieder sah ich den ‚Ich-glaube-Ihnen-nicht‘ Ausdruck in seinen Augen.

„Versuchen Sie zu schlafen. Sie sehen furchtbar aus.“ Ein kaum merkliches Lächeln huschte über sein Gesicht.

Ich war tatsächlich sehr müde, doch ich hatte Angst, wieder so etwas Schreckliches zu träumen. Sam erriet meine Gedanken.

„Ich passe auf Sie auf.“

Das beruhigte mich. Ich legte mich wieder hin und schlief auch sehr bald ein.


 


 




Kommentare zu dieser Seite:
Kommentar von:12.04.2010 um 19:29 (UTC)
magical-fantasy
magical-fantasy
Offline

boar die arme von den eltern umgebracht(fasst) *schluchtz* die arme*heul*



Kommentar zu dieser Seite hinzufügen:
Dein Name:
Deine E-Mail-Adresse:
Deine Homepage:
Deine Nachricht:

 
  Du bist der 14352 Besucher (43789 Hits) auf meiner Homepage!  
 
=> Willst du auch eine kostenlose Homepage? Dann klicke hier! <=