Howling Night // The new story about love and destiny
Story
  Kapitel 6
 
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Sam sah mich mit seinen braunen Augen an und ich schmolz dahin.

„Waren Sie die ganze Nacht wach?“, fragte ich.

„So ziemlich.“

„Sie müssen das nicht tun.“ Er legte mir einen Finger auf die Lippen. „Sie werden mich nicht los.“ Er lächelte nun ebenfalls. „Fühlen Sie sich besser?“

„Ja.“ Er widersprach mir nicht, was bedeutete, dass er es mit wirklich abnahm. Ich fühlte mich besser, aber nur ein kleines bisschen. Doch ich hatte gelernt, all das Schlechte in mir abzuschirmen.

„Was war bloß mit Pater Robins vorhin los?“, fragte ich Sam. Er zuckte mit den Schultern.

„Keine Ahnung. Sollten Sie ihn nicht besser kennen?“

„Pff. Nur weil er mit mir redet, heißt das noch lange nicht, dass er mich nicht verabscheut. Wahrscheinlich ist er der Meinung, dass jeder, der seine Kirche betreten kann, kein Monster ist.“

Daraufhin bemerkte ich eine Veränderung in Sams Gesichtsausdruck, die aber nach einem kurzen Moment wieder verschwand.

„Was haben Sie?“, fragte ich. Er schüttelte nur sachte den Kopf und wir ließen das Thema fallen.

Lange herrschte Stille.

Plötzlich fiel mir etwas ein. „Ach je“, murmelte ich.

„Was ist los?“

„Ich muss in die Schule.“

Sam sah mich beinahe verständnislos an. „Das ist nicht Ihr Ernst.“

Was meinte er bloß damit. Wieder einmal erriet er meine Gedanken.

„Sie sollten sich an besten ausruhen.“

„Ich habe mich doch ausgeruht.“ Er hob eine Augenbraue.

„Na gut“, sagte er. „Wenn Sie darauf bestehen. Aber ich werde Sie dorthin bringen.“

„Sie kennen den Weg doch gar nicht“, sagte ich schnippisch.

„Ja, Sie sind in der Tat ausgeruht“, sagte er mehr zu sich selbst.

Ich schnappte mir rasch ein paar Klamotten und verschwand im Bad.

Als ich wieder herauskam, stand Sam immer noch am Fenster. Da ich nicht viele Sachen für die Schule brauchte, war mein Rucksack schon gepackt. Ich schulterte ihn und versuchte mich an Sam vorbei zu schleichen – was nicht klappte.

„Wo wollen Sie denn hin?“, fragte er, ohne sich umzudrehen. Ich zuckte zusammen.

Woher wusste er, dass ich gerade an der Tür stand?

„In die Schule?“, sagte ich unschuldig.

„So, so“, meinte er nur und kam zu mir.

Wir liefen los.

Die Luft war feucht vom gestrigen Regen und es war kühl.

Eine Weile schwiegen wir.

„Wie ist es eigentlich für Sie, in die Schule zu gehen?“, fragte Sam schließlich.

Ich war verwirrt. In die Schule zu gehen war doch das Normalste der Welt.

„Naja, ich gehe morgens hin, werde von den Lehrern belehrt und gehe dann wieder nach Hause.“

„Sie wissen, dass ich das nicht gemeint habe“, sagte er ohne mich anzusehen.

„Wie sollte es sonst sein?“, meinte ich trocken. „Ich meine, was ist daran so anders, als wenn ich in eine Schule in der Stadt oder so gehen würde?“

Sam seufzte und formulierte seine Frage anders.

„Werden Sie in der Schule auch so ignorant behandelt wie hier im Dorf?“

Ach so, das meinte er. Was sollte ich bloß antworten? Er hatte ja offensichtlich das Gefühl, er müsse mich beschützen. Sollte ich ihm noch einen weiteren Anlass dazu geben?

„Die anderen wohnen fast alle im nächsten kleinen Dorf.“

„Das beantwortet nicht meine Frage.“ Er sah mich an und ich wich seinem Blick aus.

„Was soll das werden? Was kümmert es Sie, wie es mir in der Schule ergeht? Mich kümmert es nämlich auch nicht.“ Meine Stimme war lauter als beabsichtigt.

Ich lief schneller, doch Sam legte eine Hand auf meine Schulter und ich blieb stehen.

Er sprach leise. „Vielleicht denken Sie das nur. Aber ich mache mir Sorgen. Es ist einfach nicht fair, dass Sie von allen so behandelt werden.“

„Man kann das doch sowieso nicht mehr ändern.“ Meine Augen füllten sich mit Tränen, denn er hatte Recht. Ich ging weiter und spürte, dass Sam mir nicht folgte.

Als ich mich umdrehte, war er verschwunden.

Nun tat mir das Gesagte leid. Vielleicht wollte er mir wirklich helfen. Er war nicht mehr da und wieder fühlte ich mich unsagbar alleine.

 

Nach einer Weile kam ich in der Schule an. Und es war genauso, wie Sam es gesagt hatte. Keine der anderen Schüler würdigte mich eines Blickes.

Es tat weh, von Gleichaltrigen so behandelt zu werden.

Ich setzte mich an meinen üblichen Platz im Klassenraum – ganz hinten und alleine.

„He, Amanda“, vernahm ich eine laute, grobe Stimme.

Es war Eric, einer meiner Klassenkameraden.

Er grinste mich frech an. „Dass du dich noch her traust.“

„Was soll das denn bitte heißen?“, fragte ich mit betont grimmigem Ausdruck. Er kam nun näher an mich heran.

Er hatte keine Angst vor mir wie die anderen, aber er machte sich einen Riesenspaß aus meiner Situation.

„Ich meine den Bürgermeister“, flüsterte er in mein Ohr.

Ich war geschockt.

Eric wohnte im anderen Dorf, das weit genug weg war, um solchen Geschichten zu entgehen. Offenbar war es doch nicht weit genug weg.

Ich ignorierte ihn, doch er feixte über das ganze Gesicht.

Denn natürlich hatte er Recht.

Moment mal!

Ich wurde schon selber ganz wirr im Kopf. Dem Bürgermeister war etwas zugestoßen, ja, aber ich hatte nichts damit zutun!

Plötzlich trat jemand an meinen Tisch. Es war meine Lehrerin Mrs. Kooper.

„Amanda, ich muss Sie dringend sprechen. Unter vier Augen.“

Wir traten vor die Klassenzimmertür und hinter mir hörte ich aufgeregtes Flüstern.

Was war hier bloß los?

„Ich will, dass Sie die Schule verlassen und sie nie wieder betreten.“

Ich schluckte. „W-Was?“

„Sie haben mich schon ganz richtig verstanden. Gehen Sie!“ Ihre Stimme war kalt und drohend. Ich wollte etwas erwidern, war aber zu perplex. Das konnte doch wohl nicht ihr Ernst sein.

Doch ich konnte nichts tun – außer zu gehen.

Ich konnte noch hören, wie Mrs. Kooper zurück ins Klassenzimmer ging und lauter Jubel ausbrach.

Das gab mir den Rest. Leise Tränen rollten mir übers Gesicht.

Wo sollte ich hingehen? In die Kirche?

Nein, Pater Robins war gestern so merkwürdig gewesen.

Und Sam?

Er war sicher sauer auf mich und war gegangen – irgendwohin, wo ich nicht war.

Also beschloss ich, mich unter einen Baum vor der Schule zu setzen.

Es begann zu regnen.

Das passte ja wieder einmal.

Meine Gedanken kreisten um die Ereignisse des letzten Tages. Das alles musste doch eine Bedeutung haben.

Und warum gerade ich?

Die Tränen verschwanden nicht, es wurden immer mehr. Ich begrub das Gesicht in den Händen. Hatten die anderen Recht? War ich ein Monster? Jeder schien es zu sehen und ignorierte oder bedrohte mich.

„Amanda?“  Ich schreckte auf.

Oh, nein. Nicht jetzt. Nicht hier. Nicht. Er.

Ich wollte aufstehen und davoneilen, doch mir wurde vom schnellen Aufstehen schwindelig und ich fiel beinahe hin. Doch jemand hielt mich fest.

Sam.

Ich konnte nicht anders. Ich ließ mich in seine Arme sinken und schluchzte. Er drückte mich an sich.

„Ist ja schon gut“, flüsterte er.

„Nein. Gar nichts ist gut.“

„Was ist denn passiert?“
Ich schwieg. Es lag ganz klar auf der Hand, dass etwas passiert war und Sam wusste das. Er würde nicht locker lassen.

„Ich wurde rausgeworfen“, murmelte ich.

„Aus dem Unterricht?“

„Nein. Aus der Schule.“

Sam starrte mich an. „Nun lassen Sie sich nicht alles aus der Nase ziehen. Warum hat man Sie hinausgeworfen?“

Er schien überrascht und geschockt zugleich zu sein.

„Wegen dieser Sache mit dem Bürgermeister. Hat sich wohl herumgesprochen.“ Ich wischte die Tränen weg. Ich wollte nicht, dass er mich für schwach hielt.

Also legte ich soviel Amanda-Gleichgültigkeit wie möglich in meine Worte.

Ich stand auf. „Aber was soll’s? Ich habe dieses Verhalten sowieso satt.“

Ich wollte zurück zum Dorf gehen, aber Sam hielt mich auf.

„Sie wissen genau, dass Ihnen das nicht so egal ist, wie Sie vorgeben.“

Nun blieb ich stehen. Wieder einmal hatte er Recht. Erneut füllten sich meine Augen mit Tränen.

„Ich weiß“, flüsterte ich. Wahrscheinlich hatte er es nicht einmal gehört, doch plötzlich stand er vor mir und drückte mich an sich.

„Amanda, es tut mir so leid.“

Er drückte mich fester an seine Brust und ich spürte seinen Herzschlag. Er ging regelmäßig und beruhigte mich.

„Lassen Sie uns nach Hause gehen. Es wird dunkler. Bald wird ein Gewitter über uns hinweg ziehen.“

Wir gingen los und ich fühlte mich gar nicht mehr so schlecht. Das musste wohl an Sam und seinem Herzschlag liegen.

Auf einmal drängte sich ein Gedanke in meinen Kopf:

Gehörte sein Herz mir?



Kommentare zu dieser Seite:
Kommentar von:12.04.2010 um 19:47 (UTC)
magical-fantasy
magical-fantasy
Offline

hamma geschrieben die armejetzt auch noch die schule *seufz*

Kommentar von:30.03.2010 um 15:22 (UTC)
vampires-blood
vampires-blood
Offline

hahah : D schreib schnell weiter ; )

Kommentar von:29.03.2010 um 18:06 (UTC)
agent-chuchu
agent-chuchu
Offline

Super, weiter so! Fiese Schule, echt...

Kommentar von Jessica( jeswil96yahoo.de ), 29.03.2010 um 15:33 (UTC):
Sehr schönes Kapitel! Die Story gefällt mir richtig gut!

Kommentar von Eli( ), 28.03.2010 um 18:51 (UTC):
Schön <3
Ich finde diese Stelle toll: "„Wie ist es eigentlich für Sie, in die Schule zu gehen?“, fragte Sam schließlich.
Ich war verwirrt. In die Schule zu gehen war doch das Normalste der Welt.
„Naja, ich gehe morgens hin, werde von den Lehrern belehrt und gehe dann wieder nach Hause.“ "
XDD Echt toll!
Freue mich schon aufs nächste Chap!



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